Bayern                                          


Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit in Bayern

Seit Juli 1992 existiert in Bayern eine "Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit". Lange vor der Hysterie des letzten Jahres rund um das Thema "Kampfhunde" wurden hierin bereits drei Kategorien an Hunden festgelegt, die als gefährlich einzustufen sind. Zudem lassen strenge Regelungen eine Vermehrung der als gefährlich eingestuften Tiere kaum noch zu. So sind Züchtung oder Kreuzung von als "Kampfhunden" in der Verordnung deklarierter Rassen bei Geldbuße bis DM 100.000,- verboten. Außerdem bedarf die Haltung einer Erlaubnis der Gemeinde und wird nur unter Berücksichtigung strenger Voraussetzungen erteilt. Grundlage der Verordnung, die auch "Kampfhundeverordnung" genannt wird, bildet § 37 des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes über das "Halten gefährlicher Hunde".

Zum 1.11.2002 wurde die sogenannte Kampfhundeverordnung auf Grund neuerer Erkenntnisse ausgeweitet. Dabei werden der Rottweiler und 5 weitere Hunderassen in die 2. Kategorie aufgenommen. Der Rhodesian Ridgeback wird von der Liste genommen.

Innenminister Dr. Günther Beckstein gab dazu folgende Presseerklärung ab:

"Der Rottweiler und fünf weitere Hunderassen, bei denen von einer gesteigerten Gefährlichkeit auszugehen ist, werden ab November 2002 als Kampfhunde der Kategorie II eingestuft," gab Innenminister Dr. Günther Beckstein heute in München bekannt. "Damit tragen wir einem Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshof von 1994 Rechnung, das den Gesetzgeber verpflichtet, geeignete Maßnahmen zum Schutz der Allgemeinheit zu ergreifen, wenn neue Erkenntnisse über die Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen vorliegen." Nach neuen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass Rottweiler aufgrund ihres Temperaments im Zusammenspiel mit ihrer rassenspezifischen Muskel- und Beißkraft eine besondere Gefahr für Mensch und Tier darstellen können. So kam es in den letzten Monaten vermehrt zu Angriffen von Rottweilern, Opfer waren dabei überwiegend Kinder. Die Änderung der Kampfhundeverordnung tritt zum 1. November 2002 in Kraft.
Neben dem Rottweiler werden die folgenden 5 weiteren Hunderassen neu als Kampfhunde der Kategorie II eingestuft:

American Bulldog, Alano, Cane Corso, Perro de Presa Canario (Dogo Canario) und Perro de Presa Mallorquin. Diese Tiere stammen allesamt von den sogenannten Molossern ab, einen großen Hundeart, die bereits in der Antike bei Kampfspielen in den Arenen eingesetzt wurden. Hunde dieser Rassen werden seit geraumer Zeit vermehrt in Bayern gehalten oder gezüchtet, so dass zum Schutz der Bevölkerung ein Einschreiten des Verordnungsgebers unerlässlich ist. Als Folge der Einstufung als Kampfhund der Kategorie II brauchen die Halter dieser Tiere in Zukunft grundsätzlich eine Erlaubnis der Wohnsitzgemeinde. Die Erlaubnispflicht entfällt nur dann, wenn durch ein Gutachten eines Sachverständigen die Ungefährlichkeit des Hundes nachgewiesen wird.
Beckstein wies darauf hin, dass die Bayerische Kampfhundeverordnung jedoch keine Einbahnstraße ist. Aus der Liste der Kampfhunde herausgefallen ist der sogenannte Rhodesian Ridgeback. In einer Reihe von Überprüfungen wurden festgestellt, dass diese Rasse nur ein geringes zuchtbedingtes Aggressionspotential aufweist, so dass nicht mehr von der ursprünglich vermuteten Gefährlichkeit ausgegangen werden kann. Für die Haltung eines derartigen Hundes ist daher in Zukunft keine behördliche Erlaubnis mehr erforderlich.

Was aber unterscheidet die drei Kategorien von anderen Hunden?

Kategorie 1: Eigenschaft als Kampfhund wird stets vermutet

Der ersten Kategorie der Verordnung gehören die Rassen an, für die laut Innenministerium "neben der enormen Beißkraft eine niedrige Reizschwelle kennzeichnend ist". Darunter fallen

Pit-Bull
Bandog
American Staffordshire Terrier
Staffordshire Bullterier
Tosa Inu.

Die Tatsache, dass der Tosa-Inu in ganz Deutschland mit etwa 30 Tieren vertreten ist und es die Rasse Bandog gar nicht gibt, lässt das Innenministerium derzeit über eine Novellierung der Verordnung nachdenken, die aber noch nicht beschlossen wurde. Hunde, deren Rasse in diese Kategorie fällt, dürfen in Bayern nur gehalten werden, wenn ein berechtigtes Interesse an der Haltung des Hundes nachgewiesen werden kann. Auch muss der Halter seine Zuverlässigkeit nachweisen und es dürfen keine Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz vom Hund ausgehen. Ein berechtigtes Interesse aber besteht nur, wenn die Hunde z.B. aus der Bundeswehr ausgemustert und von Diensthundeführern gehalten werden sollen. Auch wenn sich zur Vermeidung der Unterbringung im Tierheim eine besonders ausgewählte und geeignete Person zur Aufnahme eines Kategorie 1-Hundes bereit erklärt, ist ein besonderes Interesse gegeben. Diese ausgesuchten Hundehalter müssen jedoch zum Nachweis ihrer Zuverlässigkeit ebenfalls Hundeführer oder langjährige Kampfhundebesitzer sein. Im wirklichen Leben hat dies zur Folge, dass nur 3 Hunde der Kategorie 1 derzeit offiziell in München genehmigt sind.
 


Kategorie 2: Möglichkeit zum Beweis der Ungefährlichkeit

Die Vermutung, ein "Kampfhund" zu sein, wird folgenden Rassen unterstellt:

American Bulldog (seit 01.11.02)
Alano (seit 01.11.02)
Bullmastiff
Bullterrier
Cane Corso (seit 01.11.02)
Dogo Argentino
Dogue de Bordeux
Fila Brasilero
Mastiff
Mastin Espanol
Mastino Napoletano
Perro de Presa Canario (Dogo Canario) (seit 1.11.2002)
Perro de Presa Mallorquin (seit 1.11.2002)
Rottweiler (seit 1.11.2002)

Sie gehören laut Innenministerium "zwar den Kampfhunderassen an, deren Gefahrenpotential kann aber nur im Einzelfall beurteilt werden." Wird der Behörde deshalb nachgewiesen, dass ein Hund dieser Rassen keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweist, bedarf die Haltung keinerlei Erlaubnis mehr. Der Nachweis erfolgt durch die Erstellung eines Sachverständigengutachtens. Nach Prüfung durch Gemeinde und Veterinäramt wird schließlich auf Antrag eine Erlaubnisbescheinigung ausgestellt, das sogenannte Negativzeugnis.


Kategorie 3: Ausbildung zur Aggressivität (Zivilschutz)

In einer dritten Kategorie unterwirft die Verordnung Hunde einer Erlaubnispflicht, die nicht den Rassen der anderen Kategorien angehören und dennoch "mit dem Ziel einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit ausgebildet werden". Erhielt das Tier für seinen Einsatzzweck, z.B. im Bewachungsgewerbe, eine spezielle Ausbildung zur Aggressivität, unterliegt es den Beschränkungen der Kategorie 2-Hunde. Allerdings sind hiervon Hunde ausdrücklich ausgeschlossen, die eine "sportlich-züchterische Ausbildung, wie sie herkömmlich für viele Rassehunde von Hundezuchtvereinen durchgeführt wird", erhalten. Zur Haltung der Hunde aber, die unter die 3. Kategorie fallen, bedarf es eines Sachverständigengutachtens und Negativzeugnisses.


Das Negativzeugnis

Will der Halter einer Rasse der Kategorie 2 oder 3 nachweisen, dass sein Hund nicht gesteigert aggressiv und gefährlich ist, kann dies ab einem Hundealter von 18 Monaten durch ein Sachverständigengutachten erfolgen. Der Freistaat Bayern hat hierzu eine Vielzahl von Sachverständigen vereidigt, die dazu berechtigt sind, ein Gutachten für das Verhalten von Hunden abzugeben. Mit diesem Gutachten muss der Halter des Tieres bei der zuständigen Gemeinde einen Antrag für das sogenannte Negativzeugnis stellen. Aus diesem geht bei angenommenen Gutachten hervor, dass die Haltung des Hundes ungefährlich ist und deshalb keiner Erlaubnis bedarf. Ist der Hund jünger als 18 Monate ist zunächst kein Sachverständigengutachten erforderlich. Dennoch muss ein Negativzeugnis bei der zuständigen Gemeinde, in München beim Kreisverwaltungsreferat, beantragt werden, durch das die Haltung des Tiers legitimiert wird.

Vereidigte Sachverständige in Bayern

Jährlich melden sich bis zu 200 Interessenten zur Vereidigung als Sachverständiger für das Hundewesen an. Meist handelt es sich hierbei um Hundeschulbesitzer, Polizeihundeführer oder langjährige Halter der aufgelisteten Rassen. Sie müssen für ihre Bewerbung das bisher erlernte Sachwissen schriftlich vorbringen. Seit neuestem ist auch eine praktische Prüfung abzulegen. Ein Gremium entscheidet schließlich über den Sachverstand des Bewerbers. Ist man Halter eines Kategorie 2 oder 3-Hundes, kann man bei der Gemeinde oder im Sachverständigenverzeichnis der IHK einen Gutachter aussuchen, bei dem man seinen Hund zum Zwecke eines Gutachtens vorstellen kann.


Erstellung des Gutachtens – der Wesenstest

Durch einen Wesenstest sollen normale Verhaltensweisen und artgemäße Reaktionen erkannt und von unnatürlichem Verhalten abgegrenzt werden. Nur so sind Individuen mit gestörter aggressiver Kommunikation zu erkennen. Die zu testenden Hunde müssen den Reizen des Alltags auch unter der hohen Belastung der Testsituation begegnen können, ohne dass es zu Ernstkämpfen bzw. dem finalen Biss kommt. Ein Sachverständiger wird daher in einer Testsituation möglichst viele alltägliche Begebenheiten abdecken, in der ein Hund durch Erschrecken oder Verteidigungsabsichten zu einer Gefahr werden könnte. Kennt er z.B. das Fahrstuhl fahren, humpelnde und torkelnde Menschen oder lärmende Gegenstände nicht, empfindet er eine solche Situation als Stress oder Gefahr. Eine Eskalation kann die Folge sein. Je mehr solcher Begebenheiten ein Hund kennt und übt, desto gelassener reagiert er auf die Konfrontation mit ihnen. Ebenfalls wichtig für das Gesamtergebnis der Prüfung ist das Verhältnis des Besitzers zu seinem Hund, die Reaktion auf Kommandos und das Verhalten in unbekannter Umgebung.


Normale Verhaltensweisen können erlernt werden

Gut sozialisierte Tiere haben also bei der Absolvierung eines Wesenstests nichts zu befürchten. Sie haben zwischen der 4. und 12. Lebenswoche, der sogenannten Sozialisationsphase, viele verschiedene, für den Menschen alltägliche Abläufe kennen gelernt. Aber auch ältere Hunde aus zweiter Hand lassen sich noch sozialisieren. Mit entsprechendem Zeitaufwand und gezielter Förderung kann auch ein älterer Hund die für den Wesenstest erforderlichen kongruenten Verhaltensmuster erlernen und auch auf Stresssituationen normal reagieren. Normal bedeutet aber in diesem Zusammenhang nicht immer ruhig. Begegnen sich zum Beispiel zwei Hunde an einem Zaun, ist es vollkommen artgemäß, dass die Tiere ihre Territorien verteidigen. Wichtig ist bei einer solchen Situation die Differenzierungsmöglichkeit der Reaktionen und ob die Gegner auf das gegenseitige Verhalten eingehen. Ein gut ausgebildeter Sachverständiger wird dies erkennen.


Infos:

Antrag:
Den Antrag für die Ausstellung des Negativzeugnisses muss man bei der Gemeinde stellen. Sie kann auch bei allen weiteren Fragen weiterhelfen.

Adressen der vereidigten Sachverständigen erhält man bei der Gemeinde oder aus dem Sachverständigenverzeichnis der IHK. Der Ort der Prüfung wird vom Sachverständigen festgelegt und kann auch an verschiedenen Plätzen stattfinden.

Gültigkeit des Negativzeugnisses: Ein Negativzeugnis ist bei einer Erstellung nach dem 18. Lebensmonat des Hundes solange gültig, wie der Hund in den Händen des Besitzers ist.

Kosten: Die Kosten des Gutachtens können bis zu 400,-€ betragen. Sie berechnen sich aus dem benötigten Zeitaufwand für das Abhalten des Tests sowie für die Auswertung und Erstellung des Gutachtens. Die Preise sind aber von Gutachter zu Gutachter verschieden. Erkundigen Sie sich vorher nach


Nähere Informationen finden Sie bei Bayern:
www.stmi.bayern.de/infothek/kampfhunde

Download der Verordnung über Hunde mit gesteigerter
Aggressivität und Gefährlichkeit:

www.stmi.bayern.de/infothek/kampfhunde/pdf/vo.pdf
www.stmi.bayern.de/infothek/kampfhunde/pdf/allmbl.pdf

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